JOURNAL

OF THE

COLLEGE OF AGRICULTURE,

'

- TOHOKU IMPERIAL UNIVERSITY,

SAPPORO, JAPAN,

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UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN.

von K. Iguchi, Nogakushi.

Mit Tafeln XIV—XVIII.

Einleitung.

Die Abstammung und die Einteilung der europiiischen Hausrinder sind jetzt durch die Forschungen von Riitimeyer, Nehring, Wilekens, Werner, u. a. beinahe klar und tibereinstimmend behandelt worden. Die europiiischen Rinder stammen alle yon dem yur oder ,,Urus” ab und lassen sich in vier Abarten oder Rassengruppen, nimlich Bos taurus primigenius Riitimeyer, Bos taurus brachyceros Riitimeyer syn. Bos taurus longifrons Owen, Bos taurus frontosus Nilsson und Bos taurus brachycephalus Wilckens cinteilen.

Dagegen sind unsere Hausrinder, die bekanntlich schon im Altertum in Japan ein- heimisch und durch ihre Zugleistung und besonders wegen ihrer Fleischleistung hervor- ragend waren, von Naturforschern und auch von Zootechnikern ganz vernachlissigt geblie- ben.

In seinem Handbuch gab Werner einmal die kurze Notiz, dass der in Japan vor- handene Zwergzebu durchweg schwarz sei, auch in der neueren Auflage seines Buches ist diese Bemerkung wiederholt.” ' Ob unser Hausrind eine Art des Zebus sei, - oder ob in seinem Kérper das Blut ae Zebus strémt, kénnen wir noch nicht entscheiden, da wir noch auf genauere Untersuchung warten miissen.

Neulich, im Jahre 1909, ausserte Herr Y. Tokuda in seiner unter der Leitung des Herrn Prof. S. Hashimoto ausgearbeiteten Dissertation,” die er nach miihevollen Korper- messungen mehrerer rein japanischer Rinder und auch nach geschichtlicher Durchfor-

em. der Heimat der betreffenden Rinder unternommen hatte, dass die in der Insel Oki

1). Werner, Rinderzucht. Iste und 2te Aufl. 2). Tokuda, oo tiber die Kérperfomen der in dem Tajima-Gebiete u. in der Insel Oki hei- mischen Rinder

192 K. IGUCHI.

einheimischen Rinder viele Aehnlichkeit mit dem hollindischen Schlag besitzen, und dass hollandisches Vieh vor etwa 300 Jahren in einige Orte der Insel sicher eingefiihrt worden sei.

Sonst gibt es weiter keine fachmissige Literatur beziiglich der Abstammungs- und Schidellehre der japanischen Rinder.

Deshalb habe ich diese Arbeit auf Anregung des Herrn Prof. S. Hashimoto unter seiner Leitung zu verfertigen versucht. Sie ist das Ergebniss der von mir in dem Labo- ratorium des zootechnischen Institutes der landwirtschaftlichen Fakultat der kaiserlichen Tohoku-Universitat zu Sapporo durchgefiilrten Untersuchungen iiber die Schadel der japanischen Boviden.

Es ist meine angenehme Pflicht, an dieser Stelle Herrn Prof. S. Hashimoto, sowie Herrn Prof. 8. Hatta und auch anderen Herren, die mir ihre Hilfe geliehen haben, mei-

nen wiirmsten Dank auszusprechen.

Kapitel I.

Das japanische Hausrind.

Nachweis der zur Untersuchung bentitzten Schadel des japanischen Hausrindes.

Zu meiner Untersuchung lagen insgesamt 17 Schiidel vor, namlich 10 Kuh- und 7 Stierschidel. Sie stammen alle aus dem Kiushiu-Gebiet.

Nr. I. Weibl., besteht aus einem ganzen Skelett, stammt aus dem Nagasaki-Distrikt. Von K. Yanagawa an unsere Universitat gesandt. Die Schaauzenspitze dicses Schadels ist etwas nach links gekriimmt. Die rechte Hornspitze ist kiinstlich geschnitten.

Nr. Il. Weibl., fiinf Jahre alt, stammt aus der Insel Amakusa im Nagasaki-Di- strikt. Von T. Fujimoto mit Schidel Nr. IIL und Nr. [V zusammen an unsere nUiver- sitit geschickt. Weder Hornscheiden noch Hornkerne sind vorhanden, auch fehlt der linke 3. Backzahn im Unterkiefer.

Nr. II. Weibl., acht Jahre alt, weder Hornscheiden noch Hornkerne sind vor- _ handen. Auch fehlen die beiden 3. Vorbackzihne im Oberkiefer.

Nr. IV. Weibl., drei Jahre alt, die Hinterhauptgegend ist zerbrochen. Der 3. Backzahn und alle Vorbackziihne sind noch nicht yollstindig ausgewachsen.

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 193

Nr. V. Weibl., stammt aus dem Kumamoto-Distrikt, von H. Nakagawa mit Nr. VI, Nr. VII, Nr. XII, Nr. XIII und Nr. XIV zusammen an unsere Universitit geschickt.

Nr. VI. Weibl. Das linke Horn kurz, verkiimmert, wahrscheinlich schon in der Jugendzeit des Tieres. Der rechte Hornkern in der Mitte zerbrochen. Im Oberkiefer

fehlen der linke 1. Vorbackzahn und der rechte 2. Backzahn, der letztere infolge Akti-

Nr. VII: Weibl., weder Hornscheiden, noch linker Hornkern vorhanden.

Nr. VIII. Weibl., zehn Jahre alt, stammt aus dem Miyasaki-Distrikt ; von S. Ohira mit Nr. XV zusammen an unsere Universitat geschickt. Der linke Drosselfortsatz ist zerbrochen, und der linke 3. Vorbackzahn im Oberkiefer nicht vorhanden.

Nr. IX. Weibl., stammt aus Kagoshima; von 8. Ikeda in Kagoshima mit Nr. X, Nr. XVI und Nr. XVII zusammen an unsere Universitiit géeschickt. Der Absender hat mitgeteilt, dass dieses Tier und auch das folgende rot behaart gewesen seien. Das Stirnbein hat in der Mitte ein rundes, kleines Loch von ca. 27 mm. im Durchmesser. Dem Schidel Nr. EX und Nr. X wurden die Hornspitzen kiinstlich beschnitten. Die Drosselfortsitze zerbrochen. Die Einschnitte der Nasenspitze sind sehr tief.

Nr. X. Weibl., der linke Drosselfortsatz ist zerbrochen.

Nr. XI. Minnl., vier Jahre alt, stammt aus der Insel Kikai, durch G. Ken auf derselben Insel erhalten. Der hintere Teil des Stirnbeines beim Schlachten zerbrochen. Der 3. Backzahn im Oberkiefer und die Vorbackzihne nicht vollstindig gewachsen.

Nr. XII. Mannl., aus dem Kumamoto-Distrikt; unvollstindiges und beschidigtes Exemplar. Der linke Hornkern yon der Mitte an, der linke Drosselfortsatz und der rechte 3. Vorbackzahn im Oberkiefer nicht vorhanden.

Nr. XIII. Mannl., aus dem Kumamoto-Distrikt; der rechte 3. Vorbackzahn im Oberkiefer fehlt.

Nr. XIV. Mannl., aus dem Kumamoto-Distrikt, der rechte Drosselfortsatz und der linke 3. Vorbackzahn im Oberkiefer nicht vorhanden.

Nr. XV. Mannl., aus dem Miyas:ki-Distrikt, acht Jahre alt. Der linke Drossel- fortsatz fehlt. Der linke 3. Backzahn und der linke 3. Vorbackzahn nicht vorhanden, der erstere wegen Aktinomykore. Der linke Ast des Unterkiefers ist zerbrochen.

Nr. XVI. Mannl., aus dem Kagoshima-Distrikt, ein vollstiindiges Exemplar, mit Ausnahme des Schlachtloches auf dem Stirnbeine unbeschiidigt. Der Absender hat mitge- teilt, dass dieser Stier und auch der folgende schwarz behaart gewesen seien.

Nr. XVII. Mannl., aus Kagoshima, ein vollstindiges Exemplar.

194 K. IGUCHI.

Der Schadel des japanischen Hausrindes im

allgemeinen.

Die Oberhauptflache des japanichen Rindes hat, wie es den iibrigen Rindern gemein ist, vom Hinterhaupt bis zu einem den Vorderrand des 3. Worbackzahnes berithrenden Perpendikel, fast die Form eines Parallelogrammes; an das Vorderteil desselben ist der langquadratische Zwischenkieferteil angesetzt; und lateralisch ragen die beiden jiusseren Augenrinder heryor. |

Wenn wir das knécherne Oberhaupt auf den Unterkiefer aufsetzen, ruht der letztere mit zwei Stiitzpunkten auf der Grundfliche auf; vorn fillt dieser Stiitzpunkt zwischen den 2. und 3, oder unter den 3. Bakzahn. In den Ausnahmefillen von Nr. XI und Nr. XVI liegt der Stiitzpunkt in der Mitte des 2. Backzahnes; hinten liegt der Stiitzpunkt ungefihr in der hintern Hialfte der Augenhdhle. | Zwischen den beiden Stiitzpunkten ist die Grundlinie des Unterkiefers ein wenig gewilbt, sodass der Unterrand an der héchsten Stelle ungefiihr unter der Vorderhalfte der Augenhdhle steht. Der Kieferwinkel (gebildet durch die Profilkontur des Kinns mit der Grundfliche, auf welcher der Kiefer ruht) ist sehr offen. Die Grisse dieses Winkels stimmt in den untersuchten Schiideln iiberein und betriigt fast 150°, sodass derselbe als eine Rasseneigentiimlichkeit des japanischen Rindes angesehen werden diirfte. 3

Die Perpendikularhéhen (inkl. Unterkiefer) zwischen der Grundfliche und der Na- seuspitze und zwischen der Grundfliche und der Mitte der Stirn-Scheitel-Naht sind beim Stiere grésser als bei der Kuh. Das Verhiltnis der beiden Perpendikularhéhen aller 17 Schidel betriigt also im Durchschnitt 84,4: 100.

Die mittlere Hohenachse (exkl. Unterkiefer) zwischen dem 1. Backzahn und dem 1. Vorbackzahn, welche nach oben etwa die Mitte des Nasenbeines trifft, ist nur wenig kiirzer als die hintere Héhenachse, wihrend diese die vordere Héhenachse (exkl. Unterkiefer) an der Nasenspitze um etwa das Doppelte iibertrifft. Im Mittel verhilt sich die hintere Hobhenachse zur mittleren und zur vorderen etwa wie 100: 91,8: 50,3 und ist gewodhnlich hdher beim Stiere als bei der Kuh.

Die Basillange zwischen der Schnauzenspitze und dem Vorderrande des Hinterhaupt- loches schwankt von 368 (Nr. 1) bis 425 mm. (Nr. XI und Nr. XITT) und betragt also im Mittel etwa 401 mm. Dieses Mass ergibt, dass der Schiidel des japanischen Hausrindes im allgemeinen kleiner ist als der des europiischen Rindes, dessen Basillange im kleinsten Rind, der Duxer Kuh, durchschnittlich 414 mm. betrigt.” Die Lange zwisehen dem Hinterrande des Stirnbeines und dem Vorderrande des Zwischenkiefers ist bei der Kuh

1) Wilckens, Form u Leben der landw. Haustiere. 8. 176.

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 195

langer als die Basilliinge beim europiiischen Hausrinde, die letztere verhilt sich zur erstern wie 100: 110,4. Dieses Verhiltnis finden wir gerade bei Bos taurus brachyceros, nimlich der Appenzellerkuh.”

Schadelteil.

Der Schadelteil lisst zwei Gegenden erkennen: die Hinterhauptgegend und die Vorderhauptgegend. Hinterhauptgegend :

Die obere Kante des Hinterhauptbeines ist stark gebuchtet und lisst zwei ziemlich grosse Erhdhungen und eine Vertiefung erkennen, dasselbe ist auch der Fall mit dem Kabafuto-Rind. Die Hinterhauptfliche (Nr. X ausgenmmen) bildet mit der Stirnplatte einen ziemlich scharfen Winkel von 60-80°.

Ziehen wir die Ausdehnung der ganzen Hinterhauptfliche in Betracht, so ergibt sich zwischen der grossen und der kleinen Héhenachse, der grossen und der kleinen Querachse des Hinterhauptes folgendes Verhialtnis: beim miinnlichen Tiere 100: 82,2: 155,8 : 103,0, beim weiblichen 100: 82,5: 145,8: 95,7. Folglich ist die Breite in der Hinterhauptflache grosser beim miannlichen als beim weiblichen Tiere. Wiederum hat das japanische Haus- rind ein viel breiteres Hinterhaupt als das europiische, da bei letzterem das Verhiiltnis zwischen grosser Hohenachse und kleiner und grosser Querachse folgendermassen ver- liuft :? bei der Urrasse: 100: 89: 140, bei der grossstirnigen Rasse: 100: 81: 137, bei der kurzhornigen Rasse: 100: 86: 139 und bei der kurzképfigen Rasse: 100: 83: 140. Wahlen wir die kleine Querachse des Hinterhauptes als Massstab fiir die grosse Hohen- und die grosse Querachse, so verhiilt sich jene zu diesen bei der Kuh wie: 100: 104,5: 152,4, beim Stiere wie: 100: 97,1: 151,3.. Dieses Verhiiltnis zeigt, dass das japanische Hausrind eine sehr niedrige Hinterhauptfliche besitzt.

Das Verhaltnis der Héhen- und der Horizontalachse vom Foramen magnum ist sehr variabel und zeigt kein Merkmal, jedoch ist es im Mittel beinahe gleich. Die Distanz zwischen den zwei Drosselfortsiitzen ist immer breiter beim Stiere als bei der Kuh: die- selbe verhiilt sich zur grossen Hihe des Hinterhauptes durchschnittlich wie 100: 60,6. Vorderhauptgegend : :

Die Vorderhauptgegend umfasst die ganze Decke der Schidelhdhle und besteht gréss- tenteils aus dem Stirnbein. Das Stirnbein hat von allen Schiidelknochen des Rindes die grosste Ausdehnung, seine sagittale Linge ist linger als die Hilfte der ganzen Profillinge von der Grenze zwischen der Hinterhaupt- und der Vorderhauptgegend bis zum Vorder-

1) Wilckens, loc. cit. 8. 177. 2) Wilckens, loc. cit. 8. 167.

196 K. IGUCHT.

rande des Zwischenkiefers gemessen und betrigt bei der Kuh etwa 187, beim Stiere 200, im Mittel 193 mm. Die Breite der Stirne ist grésser als die Lange, und die obere Fliche sehr uneben und wellig. Beim Stiere ist die Stirnplatte bis auf eine tiefe Einsenkung in der Mittellinie, welche etwas oberhalb der Augenhéhlen beginnt, fast eben ; bei der Kuh ist dagegen diese Fliiche von einem lateralen Rande bis zum andern ziemlich gleichmiissig gewodlbt und fillt seitlich zu den lateralen Réindern und nach hinten zam Nackenbeinrande dachformig ab. Die Stirnwulst ist sehr klein oder fehlt ginzlich. Bei der Kuh ist an der Zwischenhornlinie, wo die Hérner entspringen, der obere laterale Winkel bes Stirn- beines stark abwiirts geneigt, sodass der Anfangsteil der Horner sich mit wenigen Ausnah- men (Nr. [IX und Nr. X) nach abwirts senkt; beim Stiere ist aber der Hinterrand der Stirnplatte beinahe gerade. Die Hornzapfen sind ohne stielartige Erweiterung der Stirn- fliche und dicht auf dem hinteren fiusseren Winkel des Stirnbeines aufgesetzt ; dieselben ragen anfangs nach seitriickwirts hervor, kriimmen sich dann nach vorn (Ausnahme: Nr. I, Nr. EX und Nr. X); beim Stiere richtet sich die Spitze ein wenig nach aufwirts; bei Nr. I, Nr. IX und Nr. X laufen sie zuerst von der Stirnplatte wenig nach aufwiirts, dann seitriickwarts, hierauf nach vorn mit abfallender Richtung, meist ohne Lingsfurchen. Die Hornscheiden sind lang und drehen sich bei der Kuh anfangs nach aussen und hinten {aber bei Nr. I, Nr. IX und Nr. X nach aussen, hinten und oben) und dann nach vorn und zwar parallel mit der Schiidelachse, wihrend die Spitzen sich nach aufwirts richten.

Die Hornscheiden von Nr. I, Nr. [IX und Nr. X aber kriimmen sich nach vorn und innen und reichen beinahe bis an die Stirnenge; beim Stiere jedoch sind sie nach aussen und hinten gerichtet, biegen sich dann nach aufwirts und in den Spitzen leicht nach hinten. Die Horner der Kuh sind oben und unten abgeplattet; aber die des Stieres an der Oberfliche stark gedriickt, an der Unterfliche abgerundet. An der Wurzel ist die Hornscheide bei der Kuh bernsteinfarbig mit schwarz-griinen und gliinzenden Sptizen, dagegen die des Stieres dunkelamberfarbig.

Die Hornscheidenlinge betrigt in der ausseren Kriimmung bei der Kuh 266, beim Stiere 255 mm. Somit verhilt sich die Basillinge zur Hornliinge bei der erstern wie 100: 68,3, beim letztern wie 100: 62,9.

Die Stirnenge betrigt im Verhaltnis zur ausseren Augenbreite bei der Kuh 100: 80,0, daher ist das Stirnbein in der Stirnenge beinahe so breit wie das des Urrindes von Wilckens.” Die Stirnrinnen sind seicht und breit, sie laufen, indem sie sich einander niihern, bis an den oberen Trinenbeinrand.

Die aussere Augenbreite ist so breit wie die Achse zwischen der Stirn-Nasenbein- Verbindung und dem Hinterhauptloch. Die Basillinge verhilt sich bei der Kuh zu dieser Querachse wie 100: 49.

1) Wilckens, loc. cit. S. 177.

ONE SARE oP ar eet

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 197

Die Augenhdhlen sind etwas seitlich gestellt, dadurch tiber den seitlichen Schidclumriss hervorsehend. Die Hervorragungen der Augenhéhlenriinder sind beim Stiere stirker als bei der Kuh. Die Horizontalachse der Augenhéhlen ist immer grosser als die Hihenachse, und die letztere verhilt sich zur ersteren im Mittel wie 100: 105,1.

Die Oberschlifengrube ist breit und mittellang. Die Achse zwischen dem Hinterrand der Hornwurzel und dem Hinterrand der Augenhéhle stimmt nahezu mit der- des: Urrin- des iiberein, es verhilt sich nimlich die Basillinge zur dieser bei der Kuh wie 100: 35,6; aber dieses Verhiltnis schwankt zwischen 100: 31,9 (Nr. IT) und 100: 37,5 (Nr. VII).

Gesichtsteil. Gesichtgegend :

Das Laingenmass des Gesichtsteiles ist grésser als die Stirnlinge; es verhilt sich zur Basillange bei der Kuh wie 64,1: 100, im Durchschnitt wie 63,9: 100.

Beim Stiere sind die jussere und die innere Augenbreite grésser als bei der Kuh. Die Basillinge verhalt sich zu diesen beiden Breiten bei der Kuh wie 100: 49,0, beim Stiere wie 100: 53,5. Vergleichen wir die aussere Augenbreite mit der inneren, so ver- hilt sich die erstere zur letzteren bei der Kuh wie 100: 68,5, beim Stiere wie 100: 72,3. Die innere Augenbreite ist schmaler als die Stirnenge.

Die Nasenbeine nehmen ihren Ursprung in der Profileinsenkung des Stirnbeines, weit vor der die inneren Augenwinkel verbindenden Querlinie. | Die Nasenbeine sind gerade; ihre beiden dusseren dachfé6rmigen Rander sind hintenoben breiter und yornunten schmaler, mit einer Ausnahme, wo sie sich etwas verschmiilern ; bei Nr. XIV sind dieselben parallel. Die Breite der Nasenbeine am oberen Trinenbeinrande ist bei der Kuh nur 24,5 im Vergleich mit 100 der fiusseren Augenbreite und bei den beiden Geschlechtern durch- schnittlich 25,8. Der Winkel, in welchem Stirn-, Nasen- und Tranenbein zusammenstossen, ist meist durch Knochenmassen geschlossen, selten findet sich hier ein kleines, dreieckiges Loch (Nr. I und Nr. V haben verhiiltnismiissig grossen Zwischenraum ; dagegen Nr. VIII kleinen). | Bei der Kuh verhilt sich die Basilliinge zur Nasenlinge wie 100: 42,3, beim Sticre wie 100: 42,8, durchschnittlich wie 100: 42,5. Da dieses Verhaltnis bei der Ur-~° rasse, die bekanntlich den langsten Gesichtsteil hat,” wie 100: 40 ist, so folgt daraus, dass das japanische Rind im Vergleich zum europiischen eine bemerkenswert lange Nase hat. Bei der Kuh sind an der Nasenspitze zwei ziemlich tiefe Einschnitte vorhanden; beim Stiere hingegen gar nicht, oder dieselben sind sehr seicht. Die Naseniste des Zwischen- kiefers und das Nasenbein verbinden sich beim Stiere véllig, mit einer Ausnahme in Nr. XIV, dagegen bei der Kuh nicht. Der Zwischenkiefer ist verhiltnismassig kurz, und es

1) Wilekens, loc. cit. S. 177.

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ergeben sich grosse Schwankungen im Verhiiltnis der Basil- zur Zwischenkieferlinge, welche zwischen 100: 22,6 und 100: 41,0 liegen.

Das Trinenbein erreicht nicht die Mitte des Nasenbeinrandes und lisst zwei Winkel, nimlich den Nasen-Oberkiefer- und den Oberkiefer-Jochbein-Winkel erkennen. Der erstere jst bei beiden Geschlechtern nahezu 60, und der letztere fast 110°. Die Tranenbeinhéhe des japanischen Rindes ist im allgemeinen niedriger als die des europiischen.

Das Verhiltnis zwischen der gréssten Linge des Triinenbeines (A) und der gering- sten Héhe (B) und auch der Héhe im Augenhéhlenrand (C) ist wie folgt :

Verhiltnis. A =100

A B. C. A:B Att Ne... & 105mm. 27mm. 33mm. 25,7% 31,4% oe ee ie 37 21,0 35,2 pent) Corer 101 21 36 20,8 35,6 oan eS 109 25 33 23,0 30,3 Weg is 104 22 34 21,0 32,7 yas Es 97 26 32 26,8 33,0 su Vis a 118 27 29 22.9 33,0 pot aaa OF 100 25 30 25,0 30,0 Sg ere 99 29 31 29,3 31,3 poe ; 109 25 30 22.9 27,5 Im Mittel: ,, 105 25 34 23,8 32,0 Nr. XI. ay 110 23 37 21,0 33,6 i SEMEL ichdy 100 23 38 23,0 38,0 ISL. 4c, 115 25 30 21,7 26,1 js EVs 102 16 32 15,7 31,4 gd Va wri) 92 24 32 26,1 34,8 Ey 110 28 39 25,5 35,5 ¢ VEY 103 20 inl 19,4 33,0 Im Mittel: ,, 105 23 35 21,8 33,2 Mittel beider Geschlechter : 105 24 34 23,0

Diese Verhiiltniszahlen stimmen im allgemeinen mit einander iiberein, lassen aber einige Schwankungen, welche durch die Individualitat bedingt werden, erkennen.

Die Wangenleisten am Oberkiefer, welche zwischen der vorderen Augenhdhle und dem Wangenhécker laufen, sind beinahe parallel oder nach vorn ein wenig schmaler wer- dend. Die Wangenhéckerbreite ist nahezu gleich mit der inneren Augenbreite und beim japanischen Rinde kleiner als bei der grossstirnigen Rasse, die nach Wilckens die geringste

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 199

Wangenhiéckerbreite bestzt.” Gaumengegend :

Die Basillinge verhalt sich zur Lange der Backzahn- und der Vorbackzahnreihen bei der Kuh wie 100: 20,2: 12,2. \ Dieses Verhaltnis ist ziemlich konstant und gleicht fast dem der kurzhornigen und kurzképfigen Rassen, welche nach Wilckens die lingste Backzahnreihen besitzen.» | Daher kénnen wir annehmen, dass das japanische Rind sogar die allerlingste Backzahnreihe hat. | Zwischen den beiden Geschlechtern zeigt die grisste Gaumenbreite einen grossen Unterschied, bei der Kuh verhilt sich die aussere Augenbreite zu dieser Breite wie 100: 60,1, beim Stiere wie 100: 57,4, im Durchschnitt wie 100: 58,6; daraus folgt, dass diese Breite beinahe derjenigen der Urrasse gleich ist.” Verglei- chen wir die Gaumenbreite der Alveolarrinder an den vyordern Enden der 3. Prim. mit der an den hintern Enden der 1. Prim. und der 8. Mol., so ergibt sich ein durchschnitt- liches Verhiltnis von 100: 143,4: 124,2, woraus folgt, dass das Zahngebiss des japanischen Rindes eine verhiiltnismassig grosse Kurve zeigt. Die Gesamtlinge der Backzahnreihe verhalt sich zu der obengenannten Gaumenbreite bei der Kuh wie 100: 89,6, beim Stiere wie 100: 87,0; dieses Verhiiltnis ist bedeutend kleiner als das des europaischen Hausrindes.

In Betreff des Zahngebisses des japanischen Rindes nehmen wir keinen Unterschied

von dem des europiischen Rindes wahr.

Unterkiefer.

Wenn wir mit Wilckens als Grundmass fiir den Unterkiefer die Linge des hintern zahnfreien Teiles wihlen, sind grosse Abweichungen wahrnehmbar; nehmen wir dagegen die Basillinge anstatt des hinteren zahnfreien Teiles als Mass, so sind diese Schwankungen verhiltnismiissig gering. Das Verhiltnis zwischen der Basillange und der Gesamtlange des Unterkiefers liegt zwischen 81,0 (Nr. XI) und 86,8 (Nr. ITI). Der Unterkiefer ist im Mittel bei der Kuh linger als beim Stiere. Die Lange des hinteren zahnfreien Teils verhalt sich zur Gesamtlinge des Unterkiefers, zur Lange des Schneidezahnteiles und zur Lange des Backzahnteiles bei der Kuh wie 100: 344,3: 107,4: 136,9, und dieses Verhilt- nis stimmt mit dem des europiischen. Hausrindes nicht iiberein.

Der verhiiltnismissig breite Horizontalast des Unterkiefers steigt stark und fast geradlinig nach vorn aufwarts. Der Schlifenast ist sehr schief nach hinten gerichtet und verschmilert sich im oberen Teil. Die Héhe von der Grundfliche bis zam oberen Rande

des Gelenkkopfes ist gewéhnlich niedriger als die des europaischen Hausrindes.

1) Wilckens, loc. cit. S. 177. 2) Wilckens, loc. cit. S. 177. 3) Wilckens, loc. cit. S. 177.

200 K. IGUCHI.

Die vorderste Ordinate betriigt bei der Kuh 53., beim Stiere 65., im Durchschnitt 56 mm. Die mittlere Ordinate misst bei der Kuh 100, beim Stiere 113, im Mittel 105 mm.; und die Stelle, wo diese Ordinate die Backenziihne trifft, ist meistens im hintern Drittel des 1. Backzahnes oder zwischen dem 1. und 2. Backzahn (Ausnahmen: bei Nr. IV und Nr. X in der Mitte des 1. Backzahnes und bei Nr. VIII und Nr.. XI im vor- dern Drittel des 1. Backzahnes). Die Entfernung der hinteren Ordinate vom Hinterrande des 3. Backzahnes zeigt ziemlich grosse Schwankungen, welche zwischen Null (Nr. IV und Nr. XI) und 24 mm. (Nr. VII) liegen und eine durchschnittliche Entfernung von 17 mm. ergeben.

Im Zahngebisse des Unterkiefers verhilt sich die Basillange zur Backzahn- und Vorbackzahnreihe durchschnittlich wie 100: 21,6: 13,2; dieses Verhiiltnis besteht auch beim Zahngebiss des Zebus. In Nr. IV fehlt ein Backzahn.

Kapitel II.

Das Kabafuto-Rind. (Das Sachalin-Rind.)

Nachweis der zur Untersuchung beniitzten Schadel des Kabafuto-Rindes.

Die Schidel des Kabafuto-Rindes wurden im Jahre 1908 von Aibara, einem Be- amten an der Kaiserlichen Viehzuchtantstalt in Soroiyofuka, Kabafuto, an unsere Univer- sitait geschickt. Aus der Lebzeit der Tiere ist Naheres nicht bekannt.

Nr. I. Mannl. ?, nicht ausgewachsen. Der Unterkiefer und die Hornscheiden sind nicht vorhanden, und der linke Hornzapfen ist in der Mittelgegend abgerochen; die Vorbackzihne und die beiden 3. Backzihne sind noch nicht abgeniitzt.

Nr. II. Weibl. Im Oberkiefer sind die linken 2. und 3. Vorbackzihne, und der rechte 2. Vorbackzahn nicht vorhanden. Im Unterkiefer sind alle Schneidezihne, die : beiden 1. Vorbackzihne, der linke 1. Backzahn nicht vorhanden, das Zahnfach des letzt- genannten Zahnes zeigt alte Narbe von Aktinomykose.

Nr. III. Weibl. Die Nasengegend ist zerbrochen, und ebenso der linke Hornzap-

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 201

fen; Hornscheiden fehlen. Im Unterkiefer mangeln alle Schneideziihne, und die beiden 3. Vorbackziihne. a

Der Schadel des Kabafuto-Rindes im allgemeinen.

Der Schidel des Kabafuto-Rindes ist im allgemeinen schlanker als der des japanischen Rindes; die Oberhauptfliche des Kabafuto-Rindes ist beinahe kahnférmig, und der Ge- sichtsteil verschmiilert sich allmihlich zur Schnauzenspitze ; dagezen sind bei Nr. IT die Wangenhdécker seitlich sehr hervorragend.

Die Profillinie beriihrt die Oberhauptfliche in zwei Punkten; der vordere Punkt liegt neb»n der Wurzel des Nasenbeines, der hintere ist auf der Sagittalnaht. an der Stirn- engengevend gelegen, Die Einsenkung zwischen diesen zwei Punkten ist ziemlich. tief. Die Profillinie ist bei Nr: II beinahe parallel mit der Grundfliche; aber bei Nr. IIT lauft sie yorn ein wenig abwirts.

Der das knécherne Oberhaupt tragende Unterkiefer ruht mit zwei Stiitzpunkten auf der Grundfliche; der vordere Stiitzpunkt fillt unter die Mitte des 3. Backzahnes, der hintere liegt bei Nr. II unter dem hintern Drittel der Augenhdhle, aber bei Nr, IIL unter dem Hinterrande der Augenhéhle. Die Unterkieferkurve zwischen den beiden obengenannten Stiitzpunkten ist sehr wenig gewolbt.

Der Kieferwinkel betrigt beinahe 145°; dieser Winkel ist kleiner als der des japa- nischen Rindes.

Die Héhe des hintern Randes des Stirnbeines iiber der Grundfliche verhalt sich zur Nasen- und Schnauzenspitzenhéhe wie 100: 96,4: 65,3 (inkl. Unterkiefer).

In Betreff des Héhenmasses des Schadels (exkl. Unterkiefer) ist folgendes zu bemer- ken. Die Hinterhaupthéhe ist nur cin wenig grésser als die Mittelhaupthéhe, und jene verhalt sich zu dieser wie 100: 96,9. Zur Vorderhaupthohe steht erstere im Verhiiltnis von 100: 51,8. Diese Verhiltnisse sind denen des taiwanischen Zebus ibnlich.

Die Basillange betriigt im Durchschnitt etwa 383 mm., ist also viel kiirzer als die des europiischen Rinderschiidels. Die Werkleinerung des Schiidels des Kabafuto-Rindes

wird wahrscheinlich durch Einfliisse von Klima, Zucht, Pflege und Ernihrung verursacht.

Schadelteil.

_ Hinterhauptgegend :

_. Die Stirn-Scheitel-Naht-Hicker bei Nr. II und Nr. III ragen an der Hinterhaupt- fiche stark hervor, dagegen sind bei Nr. I dieselben kaum bemerkbar. Die fast quadra-

202 K. IGUCHI.

tische und ebene Hinterhauptfliche bildet annihernd einen rechten Winkel mit der Stirn- platte.

Die Héhe vom hintern Rande des Hinterhauptloches bis zam Hinterrande des Stirn- beines ist niedrig und betrigt 94 mm. Das Verhiilthis zwischen den grossen und kleinen Héhen- und Querachsen des Hinterhauptes betrigt 100: 74,9: 144,6: 88,8. Dieses Ver- haltnis zeigt, dass das Hinterhaupt des Kabafuto-Rindes héher ist als das des japanischen und sich fast dem des Urrindes nihert. Die kleine Querachse verhalt sich zur grossen Hohen- und grossen Querachse wie 100: 112,6: 164,8.

Die Héhenachse des Hinterhauptloches ist immer grésser als die Horizontalachse, die erstere verhilt sich zur letzteren im Mittel wie 100: 90. Die grosse Héhenachse des Hinterhauptes verhilt sich zur Distanz zwischen den beiden Drosselfortsiitzen durchschnitt- lich wie 100: 57,0.

Vorderhauptgegend :

Die Stirnplatte ist ziemlich eben; die Zwischenhornlinie ist mit Ausnahme von Nr. III gerade, welcher Schiidel eine plétzlich hervorragende Stirnwulst hat. Die Stirnrinnen sind seicht, breit, den hinteren Triinenbeinrand erreichend. Die Hornzapfen sind mehr oder weniger gestielt, dieselben treten anfangs seitriickwiirts hervor, kriimmen sich dann etwas nach oben. Die Lingsfurchen sind allein bei Nr. II vorhanden; der Querdurch- messer von oben nach unten am basalen Teile ist geringer als von vorn nach hinten; der Basalumfang betriigt 126 mm.; die Lange, in der dusseren Kriimmung gemessen, betrigt 148 mm. Die Hornscheide ist grauweiss an der Basis und verliuft zuerst seitriickwirts, biegt sich hierauf allmahlich nach innen und aufwarts. Die Hornspitze ist schwarz und dreht sich nach hinten. Das halbmondfirmige Horn hat in der ausseren Kriimmung eine Linge von 285 mm.

Die iussere Augenbreite ist verhiltnismassig eng, sie steht zur Basillinge in einem ganz gleichen Verhiltnis wie es Wilckens fiir das Urrind angegeben hat.” Sie verhiilt sich zur Stirnenge wie 100: 81,2.

Das Stirnbein ist breiter als lang, dieses Verhiltnis betrigt im Mittel fast 100: 87,8. Die Achse zwischen der Stirn-Nasenbein-Verbindung und dem Vorderrande des Hin- terhauptloches ist linger als die aussere Augenbreite, sie betrigt beinahe die Hialfte der Basillinge.

Die Augenhdhlen sind schief nach vorn und oben gerichtet und treten seitlich wenig hervor; ihr senkrechtes Héhenmass ist so lang wie der Horizontal-Durchmesser. Die Schlifengrube ist mittellang. Die Einsenkung zwischen den Augenhéhlen ist bei Nr. II verhaltnismissig tief. Die aussere und die innere Augenbreite verhalten sich zu einander

wie 100: 68,0. Dieses Verhiiltnis ist ganz gleich dem Verhiltnis, welches Wilckens vom

1) Wilckens, loc. cit. S. 176.

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 203

Urrinde erhalten hat.”

Gesichtsteil.

Gesichtgegend :

Der Schidel des Kabafuto-Rindes verschmiilert sich allmablich von den Augen nach der Schnauzenspitze zu, die Wangenhécker sind verhiltnismissig niedrig und bei Nr. II ziemlich hervorragend. Die Gesichtslinge ist verhaltnismissig kiirzer als die des sonstigen Rindes, die Basillinge verhiilt sich zu dieser Lange wie 100: 62,6; daraus folgt, dass der Gesichtsteil viel linger ist als die Stirn,

Die Nasenwurzel liegt fast in der inneren Augenlinie; aber bei Nr. I fillt dieselbe vor jene Linie. Das Nasenbein ist sehr hoch und gerade, bei Nr. I zwischen den Trinen- beinen etwas breit und nach der Spitze zu verschmilert, bei Nr. IT den lateralen und medialen Rindern fast parallel, ausserdem biegt sich die Nasenspitze ein wenig abwiirts. Im Winkel, in welchem Stirn-, Nasen- und Tranenbein zusammenstossen, befindet sich bei Nr. I ein kleines, dreieckiges Loch, bei Nr. II ist dieses durch Knochenmassen geschlossen. Die Zwischenkiefer-Naseniiste sind mittellang, ein wenig einwirts gebogen und erreichen die Seitenriinder des Nasenbeines, wobei Nr. III eine Ausnahme bildet. Die Basilliinge verhalt sich zur dieser Linge wie 100: 33,1.

Die grésste Linge des Trinenbeins ist verhiltnismiissig kurz, die Héhe im Augen- héhlenrande und die geringste Hohe sind verhialtnismiissig gross. Das Verhaltnis zwischen der gréssten Lange des Trinenbeines (A), der geringsten Hohe (B) und der Hohe im Augenhéhlenrande (C) ist wie folgt :

Verhiiltnis. A= 100

A. B. C, A:B A:©

Mr. 1. 2 109mm. 25mm. 35mm. 23,0% 32,1% page? 3% 5 92 24 36 26,1 39,1 oo Sh 93 21 34 22,6 36,6 Im Mittel : 98 23 35 23,9 35,9

Diese Verhiltnisse lassen wie beim japanischen Rinde bei den Individuen ziemlich grosse Schwankungen zu. Die Héhe im Augenhdhlenrande ist sehr gross. Obgleich der Winkel zwischen dem Oberkiefer- und dem Nasenbeine variabel ist » ist derselbe zwischen dem Oberkiefer- und dem Jochbeine nahezu so gross wie beim japanischen Rinde und betriigt im Mittel 110°.

Die Wangenhéckerbreite ist ganz gleich der inneren Augenbreite.

1) Wilckens, loc. cit. S. 177.

204 K. IGUCHI.

Gaumengegend :

Die geringste Breite des zahnfreien Gaumenteiles des Kabafuto-Rindes ist verhilt- nismissig breiter als die anderer Rinder. Die beiden Einschnitte am Hinterrande des Gau- menbeines sind sehr tief. Die Linge des Gaumens ist genau so lang wie die des taiwa- nischen Zebus, aber kiirzer als die des japanischen Rindes. Der Gaumen ist zwischen den beiden Zahnreihen breit und stark gewolbt.

Die Gaumenbreiten der Alveolarrinder am vorderen Ende der 3. Priim., am hintern Ende der 1. Prim. und der 3. Mol. verhalten sich zu einander durchschnittlich wie 100: 139,9: 114,38. Aber bei Nr. I sind die beiden Zahnreihen anniihernd parallel.

Die Kaufliche des Kabafuto-Rindes ist uneben und wellig. Die Basillinge verhilt sich zur Linge der Vorbackzahn- und der Backzahnreihe durchschnittlich wie 100: 13,4: 20,5; daraus folgt, dass die Zahngebissreihe des Kabafuto-Rindes sehr lang ist.

~~

Unterkiefer.

Am aufsteigenden Aste ist der Unterkiefer schmal und schief nach hinten gerichtet, der Horizontalast steigt geradlinig nach vorn aufwirts. Der Inzisivteil ist verhiltnismissig schmal, die geringste Breite des Unterkiefers ist breiter als die des japanischen Hausrindes und des taiwanischen Zebus. Die Liinge des hintern, zahnfreien Teiles verhilt sich zur Gesamtlinge des Unterkiefers, zur Linge des Vorderteiles und zur Linge des Mittelteiles durchschnittlich wie 100: 339,1: 92,8: 146,4; daraus ergibt sich, dass das Kabafuto-Rind einen verhiltnismissig kurzen Unterkiefer, zugleich aber einen verhiltnismiissig langen Mittelteil und einen kurzen Vorderteil hat. Die Hohe des oberen Gelenkkopfes ist verhiltnismissig hoch, das Grundmass des Unterkiefers betrigt im Vergleich zu dieser Hohe 100: 168,0.

Die vorderste Ordinate ist kiirzer als die des europiischen Rindes, und das Grund- mass verhilt sich zu dieser wie 100: 56,9. Die mittlere Ordinate, welche den 1. Back- zahn etwa in seinem hintern Drittel trifft, ist beinahe gleich der des kurzhornigen Rindes.” Die Entfernung zwischen der hinteren Ordinate und dem Hinterrande des 3. Backzahnes ist bei Nr. II 17 und bei Nr. III 9 mm.

Die Kaufliche des Zahngebisses ist wellenformig. Die Basillinge verhalt sich zur Lange der Backzahnreihe wie 100: 21,1, diese Linge ist wenig kiirzer als die des japa- nischen Rindes.

1) Wilckens, loe. cit. S. 173.

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 205

Kapitel III.

Der taiwanische Zebu.

Nachweis der zur Untersuchung bentitzten Schadel des

taiwanischen Zebus.

Die von mir untersuchten Zebuschiidel sind im ganzen sechs, niimlich je drei mann- liche und weibliche. | Davon wurden Nr. 1 und Nr. IV schon vor einigen Jahren und die tibrigen im vorigen Jahre von Taiwan an unsere Universitat gesandt.

Nr. I. Weibl., acht Jahre alt, aus Taihoku ?; die beiden Spitzen der Drosselfortsitze abgebrochen.

- Il. Weibl., drei Jahre alt, aus Tainan; die linke Hornscheide verloren. Nr. ITI. Weibl., fiinf Jahre alt, aus Tainan.

Nr. IV. Minnl., zehn Jahre alt, aus Taihoku ?.

Nr. V. Mannl., zehn Jahre alt, aus Tainan.

Nr. VI. Mannl., elf Jahre alt, aus Tainan.

Der taiwanische Zebu im allgemeinen.

Der Schidel des taiwanischen Zebus ist schlank, schmal, von sehr unregelmiissigem Umrisse, in der Grosse fast gleich dem des japanischen Rindes und weist grosse Unter- schiede zwischen Stier und Kuh anf.

Die zwei Stiitzpunkte des Unterkiefers liegen verschiedenerweise; bei Nr. bf und Nr. VI liegt der vordere Stiitzpunkt ungefiihr in der Mitte des 3. Backzahnes, bei Nr. II in der Mitte des 2. Backzahnes, bei Nr. III im vordern Drittel des 3. Backzahnes ; der hintere Stiitzpunkt liegt immer ungefihr in der Stirn-Schlifenbein-Verbindung am Augenhéhlenrande. Der Kieferwinkel betrigt 145°, mit Ausnahme von Nr. V (150), und ist fast gleich dem des Kabafuto-Rindes. Die Profillinie beriihrt die Oberhauptfliiche in zwei Punkten; der Vorderpunkt befindet sich unweit der Nasenwurzelgegend mit Aus- nahme von Nr. I und Nr. VI, bei denen die Nasenspitze am héchsten ist; der Hinter- : punkt liegt in der Mitte der Stirnenge, aber bei Nr. I in der Stirnwulst.

206 K. IGUCHI.

Die Basilliinge betrigt im Mittel etwa 401 mm.., ist also beinahe so lang wie die des Jjapanischen Rindes, aber kiirzer als die des europiischen. Die Basillinge verhalt sich zum Abstand zwischen dem Vorderrande des Hinterhauptloches und der Stirn-Nasenbein-Ver- bindung und der Achse zwischen dem Hinterrande des Stirnbeines und dem Vorderrande des Zwischenkiefers bei der Kuh wie 100: 50,9: 108,5; dieses Verhiiltnis ist. beinahe das gleiche wie beim Ur- und Kurzhornrind (nach Wilckens).”

Die hintere Héhenachse (inkl. Unterkiefer) verhalt sich zur Nasen- und Schnau- zenspitzenhihe bei der Kuh wie 100: 75,7: 56,0, beim Stiere wie 100: 93,1: 69,4, im Durchschnitt wie 100: 84,0: 60,5.

Ohne Unterkiefer verhalten sich bei der Kuh die Hinter-, die Mittel- und die Vor- derhaupthéhe zu einander wie 100: 85,8: 48,5, und durchschnittlich fast wie 100: 93,4: 51,4.

Schadelteil.

Hinterhauptgegend :

Der taiwanische Schadel zeigt im Vergleich mit dem jJapanischen auffallende Formen, die Hinterhauptgegend ist nimlich viel hoher als die Breite, und die durchschnittliche Hohe vom hinteren Rande des Hinterhauptloches bis zum Hinterrande des Stirnbeines betragt etwa 108 mm. Die obere Scheitelbeinkante ist hoch und dreieckig. Die Stirnwulst ragt stark nach oben und auch nach hinten hervor, aber beim Stiere ist dieselbe im allge- meinen niedrig. Der Winkel zwischen Stirnplatte und Hinterhauptfliche liegt zwischen 80 und 85°. Die Distanz zwischen dem Unterrande des Hornzapfens und den Ohrhéc- kern ist verhiiltnismiissig grisser als bei den sonstigen Rinderrassen.

In der Hinterhauptgegend verhalten sich die grosse Héhen- und die kleine Héhen- und die grosse und die kleine Querachse des Hinterhauptes bei der Kuh zueinander wie 100: 82,0: .123,1 : 77,7, deswegen besitzt der taiwanische Zebu ein sehr kleines Breitenmass. Die kleine Querachse des Hinterhauptes verhilt sich zur grossen Hoéhen- und grossen Querachse bei der Kuh fast wie 100: 128,7: 158,4, die erstere ist ziemlich gross im Verhiiltnis zur grossen Querachse des Hinterhauptes.

Der senkrechte und der horizontale Durchmesser des Hinterhauptloches sind ver- iinderlich, im Durchschnitt jedoch sind sie beinahe gleich, nimlich 32 mm. Die Distanz zwischen den beiden Drosselfortsiitzen ist breiter bei der Kuh als beim Stiere und schmaler als die Scheitelenge ; die diussere Augenbreite verhilt sich zu dieser Distanz im Mittel wie 100: 42,9.

1) Wilckens, loc. cit. 8. 177.

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 207

Vorderhauptgegend :

Die Stirnfliche des taiwanischen Zebus ist uneben, ihr dachfirmiger Hinterteil ist beim weiblichen Tiere im Mittelpunkte stark nach riickwiirts hervorragend ; die Zwischen- hornlinie ist bei der Kuh konkav, aber beim Stiere beinahe gerade.

Die Hornzapfen sind rauh, schwammig und abgeplattet, aber bei Nr. I und Nr. IV rundlich. Dieselben sind bei der Kuh kurz, kurzstielig, etwas vorn aufgesetzt, bei Nr. I jedoch befindet sich die Ansatzstelle auf dem dusseren, hinteren und oberen Winkel; beim Stiere sind die Hornzapfen mittellang und horizontal. Die Hornscheide ist dick und walzenformig, aber bei Nr. I und Nr. TV schmal und schlank; die Farbe ist an der Wurzel braun und an der Spitze zu einem Drittel bis zu einem Zweitel glinzendschwarz; die Linge betrigt bei der Kuh 99, beim Stiere 207, durchsehnittlich 153 mm. Die Hornscheiden nehmen ihre Richtung zuerst nach der Seite, dann nach hinten und oben, aber bei Nr. I und Nr. IV laufen dieselben zuerst nach aussen und hinten, kriimmen sich dabei nach aufwiirts, dann richten sie ihre Spitzen nach innen und vorn.

Die Stirnbeinlinge ist kleiner als die iussere Augenbreite, jene verhilt sich zu dieser durchschnittlich fast wie 100: 103,5, bei der Kuh wie 100: 98,8, die Augenbreite ist grésser als die grosse Querachse des Hinterhauptes. Die fussere Augenlinie steht zur Zwischenhornbreite und Stirnenge bei der Kuh im Verhiltnis von 100: 61,5: 76,2, durch- schnittlich beinahe wie 100: 64,1: 78,9. | Die Zwischenhornbreite des Zebus ist kleiner als die des europiiischen, des japanischen und des Kabafuto-Rindes, und die Stirnenge ist verhiltnismassig eng. Die Stirnrinnen sind seicht und laufen, sich einander nihernd, bis an den oberen Triinenbeinrand. Die Vertiefung zwischen den Augen ist nicht gross. Die

Oberschlifengruben sind kurz, breit und nach hinten weit gedffnet.

Gesichtsteil. Gesichtgegend :

Das Gesicht ist nicht lang, die Basillange verhalt sich zur Gesichtslinge bei der Kuh durchschnittlich wie 100: 62.3. Der taiwanische Zebu ist ausgezeichnet durch den starken Wangenhicker; die Wangenleisten sind fast parallel (Nr. I, Nr. If, Nr. If und Nr. VI) oder verengern sich nach vorn ein wenig (Nr. IV und Nr. V.); die Wangenhéc- kerbreite ist schmiiler als die Stirnenge, aber breiter als die innere Augenlinie. Yom Wan- genhécker zur Schnauzenspitze verschmiilert sich das Gesicht. Der Unterrand der Augen- hdhle ragt seitlich hervor. Der horizontale Durchmesser der Augenhdéhle ist grésser als der senkrechte.

oo Die Nasenbeine erreichen nicht die innere Augenlinie, sie sind sehr breit im Ver- haltnis zur Linge, die lateralen und medialen Rander verschmilern sich nach der Spitze zu

208 K. IGUCHI.

ein wenig. Die iiussere Augenbreite ist sehr gross und verhialt sich zur Breite der Nasen- beine am oberen Triinenbeinrande bei der Kuh wie 100: 26,1 , 1m Mittel wie 100: 28,3. Der hintere obere Trinenbeinrand verliuft fast geradlinig mit dem hinteren dusseren Nasenwinkel. Das an dieser Stelle sich befindliche, dreieckige Loch existiert nur bei der Kuh. Die Nasenspitzen sind bei der Kuh tief geschnitten, allein beim Stiere sehr scicht oder giinzlich mangelnd. Der Zwischenkiefer-Nasenast erreicht nicht den lateralen Rand des Nasenbeines, dort bleibt ein grosser Zwischenraum.

Das Trinenbein ist sehr lang und breit, die Basilliinge verhilt sich zur grdssten Linge und geringsten Hohe des Triinenbeines bei der Kuh wie 100: 28,0: 6,3, durch- schnittlich beinahe wie 100: 27,5: 7,0. In folgender Tabelle will ich das Verhiiltnis der grossen Hihe des Tranenbeines (A) zu seiner geringsten Hohe (B) und seiner Hohe im Augenhdhlenrande (C) geben :

Verhalt. A=1C0

A. B. C. A:B A:C Nrwi. &. 109mm, 26mm. 35mm. 23,9% 32,1% ginal . 103 23 34 22,2 33,0 pee ae si 110 24 34 21,8 30,9 Im Mittel: _,, 107 26 34 22,6 32,0 i Ve 123 30 39 24,4 31,7 ota : 111 32 39 28,8 35,1 Cle Ge 104 34 40 32,7 38,5 Im Mittel: ,, 113 32 39 28,6 35,1 Mittel beider Geschlechter : 110 99 36 25,6 33,6

Die Schwankungen sind viel grosser beim Stiere. Der Winkel, welchen das Ober- kieferbein mit dem Jochbeine bildet, ist grésser bei der Kuh als beim Stiere, bei der ersteren betrigt er fist 125 und beim letzteren fast 110°. Der Winkel zwischen dem Nasen- und dem Oberkieferbeine ist beinahe 50°, mit der Ausnahme yon Nr. II und Nr. III, bei den letzteren zwei beinahe 70°.

Gaumengegend :

Die Gaumenlinge ist kleiner als die des Kabafuto- und japanischen Rindes, die Basilliinge steht bei der Kuh zu dieser im Verhaltnis yon 100: 61,6, durchschnittlich fast wie 100: 62,4. Das Gaumenpart ist stark gewélbt. Das Verhaltnis zwischen der Basil- lange und der Lange des vordern zahnfreien -Teiles im Oberkiefer betrigt bei der Kuh 100: 30,1, im Mittel 100: 30,5, dieses Verhiltnis ist kleiner als dasjenige anderer Rinder. Die geringste Breite der Leisten des zahnfreien’ Teiles auf dem Gaumenteil ist verhaltnis- miissig schmal. In betreff der Gaumenbreiten verhalt sich die Distanz der Alveolarrander

UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 209

am vordern Ende der 3. Prim. zur Distanz der Alveolarrinder am vordern Ende der 1. Mol. und zur Distanz der Alveolarriinder am hinterern Ende der 3. Mol. bei der Kuh wie 100: 153,8: 115,7, beim Stiere wie 100: 135,6: 127,0, durchschnittlich beinahe wie 100: 134,7: 121,6, deswegen ist die erstere Distanz bei der Kuh verhiltnismissig breit.

In Bau und Form ist das Zahngebiss des Zebus gleich dem des europiischen und japanischen Rindes. Die Kaufliche ist beinahe eben. Die Backzihne sind verhiltnismiissig hoch und breit. Die Lange der Vorbackzahnreihe ist verhaltnismissig lang wie die des Japanischen Rindes, die Basilliinge verhilt sich zu dieser bei der Kuh wie 100: 12,9, im Mittel wie 100: 11,9. Die Backzahnreihe ist mittellang, das Verhiltnis dieser Linge zur Basillinge betrigt bei der Kuh 100: 20,4, durchschnittlich 100: 19,6.

Unterkiefer.

Der Unterkiefer ist im aufsteigenden Aste schief nach hinten gerichtet; der mittel- hohe Horizontalast steigt in einer Kurve stark aufwirts. Der Inzisivteil ist stark in die Quere ausgedehnt; der vordere zahnfreie Teil ist verhaltnismiissig kurz, das Grundmass des Unterkiefers verhalt sich zu diesem durchschnittlich beinahe wie 100: 93,1. Das Grundmass des Unterkiefers verhilt sich zur Gesamtliinge des Unterkiefers, zur Liinge des Vorderteiles des Unterkiefers und zur Linge des Mittelteiles durchschnittlich wie 100: 348,5: 104,7: 135,4, bei der Kuh wie 100: 347,2: 104,7: 142,5; daraus ersieht man, dass beim Zebu der hintere zahnfreie Teil und der Backenzahnteil verhiltnismissig kurz sind. Die Basillinge verhilt sich zur Gesamtliinge bei der Kuh wie 100: 86,8, durch- schnittlich wie 100: 86,0. | Die Héhe des oberen Gelenkkopfrandes ist verhiltnismiissig niedrig, die Grundzahl des Unterkiefers verhilt sich zu dieser Hohe bei der Kuh wie 100: 161,4, im Mittel beinahe wie 100: 155,2.

Die vorderen und mittleren Ordinaten sind kiirzer als bei den sonstigen Rindern, die Grundzahl des Unterkiefers verhilt sich zu diesen bei der Kuh wie 100: 55,1: 103,2, durchschnittlich wie 100: 58,3: 102,9. Die Stelle, wo die mittlere Ordinate die Backen- zihne trifft, ist nicht konstant, sie liegt niimlich bei Nr. I und Nr. VI zwischen dem 1. und 2. Backzahne, bei Nr. II und Nr. VI im hintern Drittel des 1. Backzahns, bei Nr. III und Nr. V in der Mitte des 1. Backzahns. Die Distanz zwischen der hinteren Ordi- nate und dem hinteren Rande des 3. Backzahns schwankt zwischen 4 (Nr. III) und 27 mm. (Nr. I).

Die Basillinge, die Vorback- und Backzahnreihenliinge verhalten sich zu einander durchschnittlich wie 100: 12,9: 21,4. Dieses Verhiltnis besteht auch beim japanischen Rinde.

210 K. IGUCHI.

Schlussfolgerung.

Das japanische Rind zeigt im allgemeinen in seinen Schiidelmessungen mehr oder weniger Achnlichkeit mit dem Ur-, Kurzhorn-, Grossstirn- und auch Kurzkopfrind, aber in den wichtigsten Punkten, niimlich in der Linge von Kopf, Nasenbein, Unterkiefer und Gaumen (s. Tabelle If), und in der Niedrigkeit und Breite des Hinterhauptes (s. S. 195) am meisten mit dem Urrind.

Es ist wohl bekannt, dass das Urrind unter den vier Rinderabarten den lingsten Kopf und Gesichtsteil einerseits, und das niedrigste und breiteste Hinterhaupt anderseits besitzt. Allein das japanische Rind hat sogar einen lingeren Kopf und Gesichtsteil, und ein breiteres und niedrigeres Hinterhaupt als das Urrind. Daraus folgt, dass das erstere sich sicher vom letzteren unterscheidet.

Das Kabafuto-Rind, das urspriinglich von der russischen Regierung aus Sibirien, wahrscheinlich auch aus dem west- und zentralasiatischen Kontinent, aber nicht aus Japan, dort eingefiihrt wurde, zeigt in seinen Schidelmessungen auch mehr oder weniger Achn- lichkeit mit allen vier Rinderabarten, mit dem Japanischen Rind und auch mit dem tai- wanischen Zebu, aber am meisten mit dem Urrind und dann in nichster Linie mit dem Japanischen Rind. Da, wie Tab. IT zeigt, das Kabafuto-Rind in den meisten wichtigsten Schiidelteilen mit verschiedenen Rinderrassen Uebereinstimmung zeigt, kann dasselbe, wie Noack” von dem Kalmiickenrind dusserte, eine komplizierte Kreuzung des Brachy ¢eros- und des Primigeniusrindes sein.

Wie es aus der Tabelle II ersichtlich ist, zeigt der taiwanische Zebu in seiner

Schidelmessung eine sonderbare Uebereinstimmung mit allen Rindern.

1). Noack, Haustiere der Altei-Kalmiicken. Zoologischer Anzeiger. Nr. 24/25. Bd. XXXIV. S. 759.

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UNTERSUCHUNGEN UBER DIE SCHADEL DER JAPANISCHEN BOVIDEN. 911

Erlauterungen zu den Tabellen.

Die gemessenen Schiidelteile und auch die Messungsmethode erliiutern sich meistens aus den Bezeich- nungen in den Tabellen selbst, weshalb sie hier unberiicksichtigt bleiben. I. Langenmasse.

1. Basilliinge od. Achse zw. Vorderrand des Zwischenkiefers und Vorderrand des Foram. mag.

Diese Liingenachse wird mit einem Tasterzirkel bestimmt. In der Tabelle II bildet diese das Grund- mass fiir die tibrigen Lingenmasse.

3. Linge des Stirnbeines.

Dieses Mass ist die Liinge zwischen der Mitte des Hinterrandes und dem Vorderrande des Stirnbeines. Der Vorderrand des Stirnbeines ist durch den Punkt bestimmt, wo es sich mit der hintersten Spitze des Nasenbeines verbindet. Die Grenze zwischen Nasen- und Stirnbein wird durch eine Naht von sehr tiefen Zacken und unregelmiissigen Konturen gebildet, deshalb ist sie nicht immer genau bestimmbar.

4. Liinge des Nasenbeines.

Liingenachse zwischen Vorder- und Hinterspitze des Nasenbeines.

7. Linge